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nota's Tagebuch    


2012 12012 3   Februar 2012  
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Eintrag von nota am 8.2.2012

Bomben


Wer bin ich?

Ich frage mich, ich frage mich wirklich: Wer bin ich? Ich könnte hier den ganzen Mist hinschreiben mit dem der "Beschreiben Sie sich in einigen kurzen Sätzen" Teil von Persönlichkeitsprofilen oder Bewerbungsbögen gefüllt ist. "Ich heiße Nota, bin siebzehn Jahre alt, wohnhaft hier und da und dort blablablabla"
Aber das ist gelogen. 
Und die Wahrheit kann ich nicht sagen. Ich kann sie nicht artikulieren. (Abgesehen davon ist ein solcher Bogen für viele Dinge gedacht, nicht aber für die Wahrheit.) Ich fühle mich nicht wie Nota K., wohnhaft hier und und da und dort. 
Ich fühle mich, als hätte ich die einmal gekannt, flüchtig nur, ganz flüchtig, die Nota und jetzt meint jeder, ich wäre sie. 
Ich habe Angst vor mir, ich habe Angst vor meinen Gedanken. 
Vor einiger Zeit, wenn ich sehr müde war, oder mich beherrschen musste, jeden Muskel anspannen musste, um es noch zur Toilette zu schaffen, oder wenn ich es wieder einmal nicht geschafft habe, und mit Schamestränen in den Augen aufwischte, habe ich angefangen, mit mir selber zu sprechen. 

Flüsternd, leise, tröstend. "Beruhig dich, Nota Schatz, beruhig dich... alles wird gut." oder flüsternd, leise, befehlend. "Die zwei Minuten hältst du noch aus, Nota, die zwei Minuten noch."
Am Anfang nur im Kopf, dann wirklich. Es hat mich beruhigt, eine Stimme zu hören. Niemals laut, das nicht, aber trotzdem vorhanden.
 Irgendwie hat das die Grenze zwischen Gedanken und Gesprochenem niedergerissen. Allmählich, langsam und schleichend. Ein Wort, das mir erst auf der Zunge lag, ist schon herausgeschlüpft. Gedanken, nie dazu gedacht, ausgesprochen zu werden, formen sich zu Worten, meistens bitter und voller Weltenschmerz. 
Dann.. ich denke an etwas, etwas ganz anderes,  und höre mir selbst ganz verwundert zu, dass ich in den leeren Raum hinein "Erdäpfel und Rübenpüree" sage oder "Wo bist du denn, mein Schatz?"
Das passiert mir immer öfter, jeden Tag. Dinge die keinen Sínn ergeben, Sachen an die ich nicht denke, an die ich wirklich nicht denke, marschieren anscheinend durch mein Unterbewusstsein und direkt über meine Stimmbänder.
 Meine "Gedankenstimme" hat sich verändert. Die Stimme, die ich normalerweise höre beim Denken, ganz so wie jeder Mensch, verändert sich manchmal. Sie wird diese Befehlsstimme, diese Beruhigungsstimme. Manchmal streiten die beiden oder die Gedankenstimme jammert und lässt sich beruhigen von der anderen.
Natürlich bin das immer noch ich. Ich höre keine Stimmen wie die Leute in irgendwelchen Filmen.
Ich weiß, dass das ich bin. Beides. Oder das eine. Was auch immer. Verwirrend. Beängstigend.

Ich will keine Horrorfilmfigur werden oder - noch schlimmer - eine Witzfigur. Ich will Nota K., 17 sein.

Nota K., 17, ist übrigens gerade dabei, sich das Maturajahr sehr schwer zu machen. Lähmende Untätigkeit, überall. Ich kann nicht und ich kann nicht und ich kann nicht und ich verhau mir echt noch alles. McDonalds hallo.

Die Wut, der Zorn in mir ist ein seltsames Ding. Ich habe nicht bemerkt, wann genau er sich eingenistet hat in mir, aber er ist da. Und hat sich das Wärmste aller Nester gebaut.
Meistens schläft er ruhig, aber manchmal, da spüre ich ihn, warm, ganz heiß im unteren Teil meines Magens. Von dort breitet er sich aus, in den ganzen Körper, pumpt und schiebt und drückt und baut einen so gewaltigen Druck auf, dass er mich lähmt. Er beschwert meine Zunge, drückt mir die Kehle zu, lässt mich nicht mehr atmen. Manchmal kann ich soetwas Ahnliches wie Weinen. Oder Schreien. Das hilft, ein bisschen, und beruhigt das Zornesmonster soweit, dass ich nicht implodiere.


Ich habe Angst. Was bin ich? Eine Bombe?


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